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E-Control-Vorstand Martin Graf
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"Die E-Control geht davon aus, dass die derzeit in der Verordnung festgeschriebenen Entgelte die Kosten für die Einführung von Smart Metering in Österreich decken können."

Martin Graf

02.04.12

Smart Meter: "Größten Nutzen haben Endkunden"

E-Control-Vorstand Martin Graf zur Einführung der intelligenten Stromzähler in Österreich, den erwartbaren Einsparungen und warum es durch Smartmetering nicht zu Preiserhöhungen kommen wird.


Die E-Control schließt im Zuge der Einführung von Smart Metering in Österreich Preiserhöhungen aus. Wie wollen Sie eventuelle Teuerungen verhindern?

Martin Graf: Aufgrund der derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen fallen für die Kunden durch die Installation oder den Betrieb eines Smart Meters grundsätzlich keine neuen Kosten an. Die Kosten werden durch das bisherige Messentgelt und die Netztarife ausreichend abgedeckt.
Diese beiden Entgelte unterliegen der Regulierung und werden von der E-Control jährlich in der Systemnutzungsentgelte-Verordnung (SNE-VO) für alle Kunden einheitlich vorgeschrieben.
Die E-Control geht davon aus, dass die derzeit in der Verordnung festgeschriebenen Entgelte die Kosten für die Einführung von Smart Metering in Österreich decken können. Grundlage dafür ist jedoch eine effiziente Umsetzung durch den Netzbetreiber.
Die Einführung von Smart Meter bringt natürlich Investitionen mit sich, doch wird der Nutzen die Kosten übersteigen. Eine Studie, die von der E-Control bei PwC in Auftrag gegeben wurde, zeigt auf, dass Smart Meter einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 600 Millionen Euro bringen, da Einsparungs- und Optimierungsmöglichkeiten im Netz eröffnet werden, von denen sowohl die Kunden als auch die Stromunternehmen profitieren werden.


Welche Vorteile erwartet sich die E-Control von Smart Meter?
Graf: Den größten Nutzen bei einer Einführung von Smart Meter haben die Endkunden. Mit Smart Metering steht den Konsumenten erstmals eine Technologie zur Verfügung, die im Gegensatz zu den konventionellen mechanischen Zählern eine Ablesung vor Ort unnötig macht. Die Zählerdaten können dabei fern ausgelesen und in weitaus höheren Auslesezyklen - z.B. alle Tage oder sogar Stunden - an den Netzbetreiber übermittelt werden. Derzeit erhält der Strom- und Gaskunde ja lediglich einmal jährlich eine Energieabrechnung, die auch häufig gar nicht auf vor Ort abgelesenen tatsächlichen Verbrauchswerten, sondern vielmehr oft auf rechnerisch ermittelten Daten basiert. Dadurch ist es dem Kunden kaum möglich, Verbrauch und Kosten unterjährig realistisch abzuschätzen und das Verhalten so zu setzen, dass beides gesenkt werden könnte. Durch Smart Metering kann der Kunde aber in Zukunft den Verbrauch unmittelbar erkennen und sein Verbrauchsverhalten zur Senkung der Kosten anpassen. Auf Basis dieser Verhaltensänderung kann der Stromverbrauch reduziert werden, so das Ergebnis unserer Studie.
Zu beachten ist jedoch, dass der Zugang zur Information über den Energieverbrauch, beispielsweise über das Internet, noch durch eine fundierte Verbrauchsinterpretation und ein dementsprechendes Beratungsangebot ergänzt werden muss, um tatsächlich zu wesentlichen Verbrauchsreduktionen und höherer Energieeffizienz zu führen.
Eine weitere für den Endkunden sehr interessante neue Funktion des Smart Metering ist die Möglichkeit, in Zukunft auch Angebote für zeitlich flexible Energietarife zu erhalten. Im Hinblick auf ein sich immer stärker veränderndes Verbrauchsverhalten vieler Bevölkerungsschichten erscheint das Bereitstellen von lediglich maximal zwei Tarifzeiten für Tag und Nacht, wie derzeit üblich, nicht mehr zeitgemäß. In Zukunft kann der Energielieferant dann täglich verschiedene Tarifzeiten anbieten. So sind dann etwa spezielle Wochenendtarife, Ferienhaustarife oder Singletarife denkbar. Damit Tarife weiter vergleichbar sind, wird das bestehende Service des Tarifkalkulators angepasst, um weiterhin größtmögliche Transparenz zu gewährleisten.
Hinzu kommt, dass ohne die Anwendung von smarten Technologien es in Zukunft nicht möglich sein wird, den Ausbau der Erneuerbaren Energien bzw. der dezentralen Energieversorgung auszubauen und zielgerichtet einzusetzen.

Die Arbeiterkammer sorgt sich um den Datenschutz. Wie kann garantiert werden, dass Unbefugte keinen Zugang zu meinen Daten haben?
Graf: Die Erhebung von Messdaten durch einen Smart Meter unterliegt wie jede andere Datenanwendung den Rechtsvorschriften des Datenschutzgesetzes. Dieses schreibt vor, dass Maßnahmen  zu treffen sind, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Es ist geregelt, dass insbesondere ein Protokoll über erlaubte als auch unerlaubte Zugriffe zu führen ist. Die Auslesung der personalisierten Viertelstundenwerte aus den Messgeräten ist generell ohne die Zustimmung des Kunden bzw. ohne einen darauf basierenden bestehenden Vertrag nicht möglich. Das bedeutet, dass die Daten einem hohen Standard an Datenschutz und Datensicherheit unterworfen sind und nur den strengen gesetzlichen Bedingungen entsprechend verwendet werden dürfen.

Mit wie vielen Stellen sind Smart Meter vernetzt? Wo landen meine Daten?
Graf: Der Netzbetreiber ist als Betreiber des Smart Metering-Systems alleinig für die Auslesung und Datenhaltung verantwortlich. Die Weitergabe an Dritte darf lediglich nach Zustimmung des Kunden bzw. nach gesetzlichen Vorgaben – zum Beispiel zur Übermittlung an den Vertrieb für Abrechnungszwecke – erfolgen. Bedient sich der Netzbetreiber zur Übermittlung der Daten einem Dritten, zum Beispiel ein Energieberater, so unterliegt dieser denselben Bestimmungen.

Laut § 84 Abs. 2 Satz 1 ElWOG 2010 kann ich als Kunde Widerspruch gegen die Weitergabe der gemessenen Verbrauchsdaten einlegen. Was passiert, wenn das alle machen?
Graf: Sollte es für bestimmte Daten, zum Beispiel 15-min-Werte keine Zustimmung zur Auslesung geben, so dürfen diese auch nicht an Dritte weitergegeben werden. Es ist festzuhalten, dass sich alle Netzbetreiber und Lieferanten daher an datenschutzrechtliche Bestimmungen zu halten haben. Lieferanten können daher natürlich nur jene personenbezogenen Daten als Basis für die Abrechnung verwenden, für die eine Zustimmung des Kunden bzw. eine entsprechende vertragliche Vereinbarung vorliegt.
 
Sind die Daten, die die Smart Meter-Geräte der einzelnen Hersteller generieren, miteinander kompatibel?
Graf: Aus heutiger Sicht sind Smart Meter-Systeme in den meisten Fällen proprietäre Systeme, da nur wenige Standards und Normen existieren. Es gibt jedoch auf EU-Ebene eine Normungsinitiative, die für Ende 2012 eine Liste von europaweiten Standards zum Einsatz in Smart Metering-Systemen angekündigt hat. Dies sollte dann die Grundlage für ein europaweit einheitlich nutzbares Gerät bilden.

Gibt es schon Erfahrungsberichte aus dem Ausland? Was ist Ihr Fazit?  
Graf: Gerade im Strombereich gibt es inzwischen zahlreiche europäische Länder, die bereits die Umsetzung von Smart Metering gestartet oder sogar abgeschlossen haben. Als federführend können hier Schweden und Italien genannt werden.
In Schweden gilt seit 2009 die Vorgabe, dass alle Kunden eine monatliche Abrechnung ihres tatsächlichen Verbrauches erhalten müssen. Da eine solche jedoch mit einer monatlichen Ablesung des Zählerstandes vom Betreiber oder Kunden nicht mehr bewerkstelligt werden kann, hat diese Vorgabe dazu geführt, dass in Schweden eine fast 100-prozentige Flächenabdeckung mit Smart Meters erreicht wurde.
Italien ist ebenfalls ein Vorreiter bei der Entwicklung von Smart Metering für Haushaltkunden. Haupttreiber ist dort der größte Netzbetreiber ENEL. Dieser hat ohne bindende gesetzliche oder regulatorische Vorgaben bereits relativ früh mit dem Einbau von Smart Meters in ganz Italien begonnen. In Deutschland gilt die Regelung, dass in Neubauten und generalsanierten Gebäuden sowie bei Kunden mit einem Verbrauch größer als 6.000 kWh ein Smart Meter installiert werden muss.
Viele weitere europäische Länder wie Frankreich, UK, Spanien, Norwegen, Finnland usw. sind ebenfalls dabei Smart Metering großflächig auszurollen. Es kann daher zusammenfassend festgestellt werden, dass in den nächsten Jahren – auch im Hinblick auf die Vorgaben der EU – in immer mehr europäischen Ländern großflächige Rollouts von Smart Metering stattfinden werden.
Aber auch in Österreich gibt es große Feldversuche – beispielsweise wurden bei der Energie AG und der Linz AG bereits ja jeweils mehr als 100.000 Zähler installiert und zahlreiche positive Erfahrungen gesammelt.

Die Energieeinsparung liegt laut Ergebnissen in Studien zwischen 0 und 12 Prozent (laut dem Endbericht E-Motivation). Können Sie die erwartenden Einsparungen für Österreich schon näher beziffern?
Graf: Die von der E-Control beauftragte Studie zur Einführung von Smart Metering in Österreich geht von einem Einspareffekt von 3,5 Prozent im Strombereich aus. Vergleichbare Werte wurden auch bei großen Feldversuchen erreicht, wobei natürlich die transparente und verständliche Aufbereitung der Daten und Informationen für die Kunden der door-opener für die Realisierung von Einsparungspotentialen ist.

Der Lieferantenwechsel soll durch Smart Meter vereinfacht werden. Wieso?
Graf: Smart Meter stellen in Hinkunft weitaus schneller die für den Lieferantenwechsel notwendigen Verbrauchsdaten, also Zählerstände, zur Verfügung, da sie nicht mehr manuell ausgelesen oder rechnerisch ermittelt werden müssen. Dadurch kann die Durchlaufzeit des Lieferantenwechsels verkürzt werden.
Durch Smart Meter wird somit auch die Rechnungsqualität stark erhöht und gegebenenfalls führt es zu weniger Rechnungskorrekturen von Seiten der Energieunternehmen. Die Servicequalität der Versorger kann daher verbessert und auf Kundenanfragen schneller reagiert werden. Außerdem können Kunden, die in eine neue Anlage ziehen, mithilfe von Smart Meter-Geräten sofort, z.B. durch einen Anruf im Kundenservice, ihren Zähler freigeben lassen. Eine aufwendige Terminvereinbarung und eventuelle Wartezeiten entfallen völlig.

Welche Geräte, von welchen Herstellern sind angedacht? Gibt es eine Empfehlung?
Graf: Die Auswahl der zum Einsatz kommenden Geräte obliegt, im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen, alleine dem Netzbetreiber. Die E-Control wird hier als unabhängige Behörde keinerlei technische Vorgaben oder Empfehlungen abgeben. Die von der E-Control im Oktober letzten Jahres veröffentlichte "Intelligente Messgeräte-AnforderungsVO" (IMA-VO) schreibt dem Netzbetreiber lediglich Funktionen, die durch die von ihm eingebauten Smart Meter abgedeckt werden müssen, vor. Es wird jedoch, auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit, davon ausgegangen, dass die Netzbetreiber auf offene, untereinander austauschbare Systeme setzen werden.

 

Smart Meter ersetzen Strom- und Gaszähler

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